kommUnity

1. KURZBESCHREIBUNG

Das Projekt "kommUnity" arbeitet seit dem 01.01.2019 prozessorientiert mit jungen Menschen auf dem Naturgrundstück des Walden e.V. im Chemnitzer Stadtteil Euba arbeiten. Das Konzept gliedert sich in drei Projektebenen:

A) BASECAMP: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung in der Natur

B) „challange by choice“: Erlebnispädagogische Kompetenztrainings und Kurzinterventionen

C) begleitende Elternarbeit für beteiligte Eltern aus Ebene A) und B)

Die Ebenen A) und B) beziehen sich auf Jugendliche und junge Erwachsene und unterscheiden sich sowohl in der Art des Zugangs wie auch im methodischen und zeitlichen Setting. Liegt in Ebene A) der Fokus der Arbeit auf der Etablierung der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung in der Natur für junge Menschen aus ganz Chemnitz (speziell, aber nicht ausschließlich aus dem Sozialraum Euba / Adelsberg / Altenhain), geht es in Ebene B) um die nachhaltige, attraktive sowie auch herausfordernde Unterstützung bei der Bewältigung lebensphasenbezogener sowie biografisch-individueller Entwicklungsschritte. Dem Lern- und Erfahrungsraum Natur und der intensiv-verlässlichen Beziehungsgestaltung wird eine besondere Bedeutung zugesprochen.

Ebene C) bietet den Eltern der in Projektebene A) und B) beteiligten Jugendlichen eine Begleitung zu den eigenen Ablösungsthemen und bei Alltagsproblemen, die im Zusammenhang mit ihren Kindern stehen.

2. ZIELGRUPPE

Zielgruppe des gesamten Projektes sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 27 Jahren aus ganz Chemnitz.

Projektebene A) richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die durch eine offene Ausschreibung auf das Projekt aufmerksam geworden sind und auf Basis der Freiwilligkeit und aus eigenem Interesse am Projekt teilnehmen.

Für die Projektebene B) sollen speziell Jugendliche verschiedenster Schulformen, Auszubildende, junge Menschen in Berufsvorbereitung oder in Beschäftigungsprojekten sowie Jugend in prekären Verhältnissen mit und ohne Anstellung / Ausbildung in Sachsen gewonnen werden. Die Zielgruppe wird über sächsische Schulen, Ausbildungs- und Jugendfreizeiteinrichtungen etc. angesprochen. Projektebene C) richtet sich an Eltern der beteiligten jungen Menschen aus Ebene A) und B).

3. ZIELE

Bei der Begleitung im Projekt „kommUnity“ wollen wir an folgenden grundsätzlichen Zielstellungen mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten:

  • Die Jugendlichen entwickeln ein Selbstbewusstsein, ein Selbstbild und ein Selbstwertgefühl, welches nicht auf die Abwertung anderer angewiesen ist.

  • Die Jugendlichen erweitern ihre Kommunikationsfähigkeit, insbesondere ihre Wahrnehmungs- und Kooperationsfähigkeit.

  • Die Jugendlichen entwickeln ihre Fähigkeit zur eigenständigen materiellen und sozial-emotionalen Sorgeselbstständigkeit.

  • Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung für ihr eigenes Handeln in jeder Hinsicht (insbesondere in Bezug auf ihre natürliche und soziale Umgebung).

  • Die Jugendlichen nehmen eigene und fremde Grenzen wahr und achten sie.

  • Die Jugendlichen finden gewaltfreie Problemlösungen.Die Jugendlichen entwickeln selbstkritisches Reflexionsvermögen und erweitern ihre Handlungskompetenz.

Je nach Projektebene unterscheiden sich weiterführende Zielstellungen der Arbeit an den Jugendlichen.

4. UMSETZUNG

Die Angebote der Außerschulischen Jugendbildung des Walden e.V. erfüllen in besonderem Maße die Anforderungen des gesetzlich formulierten Erziehungs- und Bildungsauftrages, wobei ein hoher Stellenwert dem sozialen Lernen zukommt ebenso wie der Beteiligung der Teilnehmer*innen sowohl an der Angebotsentwicklung als auch an der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung. Aufgrund der Grundsätze und Prämissen des Trägervereins liegt ein besonderes Augenmerk auf der Unterstützung von Prozessen der Persönlichkeitsentwicklung. Projekte im Rahmen des Leistungsangebotes unterstützen den Erwerb von Schlüsselqualifikationen und -kompetenzen und zielen darauf ab, sich durch naturbasierte Methoden mit unterschiedlichen Werten und Normen auseinander zu setzen. Den Jugendlichen werden größtmögliche Erfahrungs- und Gestaltungsfreiräume eingeräumt und selbstinitiierte Bildungsprozesse gefördert. Die Projekte sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.

Zudem geben verschiedene Angebote der außerschulischen Jugendbildung Hilfestellungen zur beruflichen Orientierung durch Bewusstmachung und Stärkung der individuellen Ressourcen, eigenen Interessen und Talente wie auch der Erarbeitung von Perspektiven für eine berufliche Zukunft. Bei spezifischen Problemsituationen können Teilnehmer*innen Beratung in lebenspraktischen Fragen und Unterstützung in der Kommunikation mit Ämtern und Institutionen erhalten inklusive der Weitervermittlung an kompetente Ansprechpartner*innen.

Ebene A)

BASECAMP: Außerschulische Kinder- und Jugendbildung in der Natur

  • Offene Tür für Jugendliche

Zur Umsetzung der oben beschriebenen Ziele nutzen wir unter anderem Methoden aus der Erlebnis- und Waldpädagogik und kombinieren diese mit dem klassischen Konzept der Jugendbildung. Die intendierten Ziele erlebnispädagogischer Aktionen ähneln sehr denen der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung.

Der Ansatz der außerschulischen Kinder- und Jugendbildung schafft sowohl räumlich wie inhaltlich niederschwellige Möglichkeiten, im Rahmen derer Jugendliche interagieren und kommunizieren können. Merkmale dieser Arbeit sind Freiwilligkeit, Offenheit, Partizipation und das Anbieten von Gestaltungsräumen, Transparenz, Übernahme von Verantwortung, gemeinsames Erleben mit anderen etc. Die erlebnispädagogischen Angebote zeichnen sich dadurch aus, dass die Aspekte Gemeinschaftserlebnis, Vertrauen in andere, Erleben und Verarbeiten von Grenzerfahrungen, Selbstüberwindung, Stärkung des Selbstwertgefühls, Förderung des Sozialverhaltens stärker thematisiert werden als bei freizeitsportlichen Aktivitäten.

Das „Basecamp“ wird adäquat zum klassischen Jugendclub anfangs zweimal pro Woche, später regelmäßige Öffnungszeiten an mehreren Wochentagen haben. Hier können Jugendliche, insbesondere die Jugendlichen aus dem Sozialraum (Euba, Adelsberg, Altenhain) gemeinsam Tischtennis, Kicker oder Fußball zu spielen, oder auch Bogenschießen und Slackline laufen, Lagerfeuer machen, musizieren oder einfach in der Natur entspannen.

Tages- und Wochenprogramme mit Kindern und Jugendlichen können sein:

- Gemeinsames Kochen am Feuer

- Kooperations- und Interaktionsübungen

- Problemlöseaufgaben

- Niedrige Seilelemente/Slackline

- Anlegen und Pflege eine Gemüse-und Kräutergartens

- Bogenschießen

- Klettern

- Exkursionen

- Geocaching

  • Mädchen- und Jungengruppen

Die geschlechtersensible Arbeit wird u.a. durch das Angebot freiwilliger Mädchen- und Jungengruppen umgesetzt. Diese Angebote finden bedarfsorientiert in regelmäßigen Treffen und in speziellen Freizeit- und Ferienangeboten statt. Themen werden die kritische und sensible Auseinandersetzung mit Geschlechtsrollen, das Bewohnen des eigenen nicht mehr kindlichen Körpers, Sexualität und Hygiene, Umgang mit und Handlungsfähigkeit in unstimmigen Beziehungsangeboten sowie Informationen über gesetzliche Grundlagen und weiterführende Hilfs- und Beratungsangebote sein. Den Jugendlichen stehen mindestens ein männlicher und eine weibliche Ansprechpartner*in zur Verfügung.

  • Cliquenarbeit

Im Projekt „kommUnity“ wollen wir die Eigeninitiative und Mitverantwortung der jungen Menschen stärken. Deswegen bieten wir interessierten jungen Menschen an, zusammen mit ihnen einen Bauwagen als eigenen Treffpunkt auszubauen.

Dieser Bauwagen soll im Gelände des Walden e.V. für die Jugendlichen zu vereinbarten Uhrzeiten frei zugänglich sein und soll von diesen auch selbst

verwaltet werden. Die Pädagog*innen des Walden e.V. moderieren und begleiten die darum entstehenden Prozesse der Jugendlichen.

  • Veranstaltungen und Kulturarbeit

Mit Methoden wie Zukunftswerkstatt erarbeiten wir mit interessierten Jugendlichen prozess- und bedarfsorientiert eigene partizipative Projekte und unterstützen sie bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung eigener Veranstaltungen und Partys. Gleichfalls bieten wir eine ehrenamtliche Mitarbeit in schon bestehenden Sport- und Kulturveranstaltungen, wie dem Slackfest oder dem „Fuego a la isla“-Fesitval an.

  • Kooperation

Hier geht es um den Aufbau und die Pflege lokaler Netzwerke und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Einzelpersonen im Sozialraum. Im Sozialraum (Euba, Adelsberg, Altenhain)) gibt es großes Interesse an Zusammenarbeit seitens der dort ansässigen Vereine.

  • regelmäßige Bildungsangebote

Bei allen Bildungsangeboten steht die Beteiligung der jungen Menschen an der Ideenfindung, Vorbereitung und Durchführung im Vordergrund. Je nach der Zielgruppe und den gewünschten bzw. erarbeiteten Inhalten gehen wir Kooperationen mit anderen Vereinen, Schulen, und Einzelpersonen ein. Die Bildungsangebote sind lebensweltlich orientiert und stehen Kindern und Jugendlichen aus ganz Chemnitz zur Verfügung.

  • Einzelbegleitungen

In allen Bereichen erfolgt die Kontaktaufnahme, Beziehungs- und Vertrauensarbeit mit den Besucher*innen. Durch Einzelgespräche ermöglichen wir eine Unterstützung bei der Bewältigung vielfältiger Lebens- und Alltagsfragen. Das bedeutet, dass wir die spezifischen Anliegen der Person wahrnehmen, sie über ihre Rechte und Pflichten informieren, eigene Hilfsangebote unterbreiten oder an geeignete Institutionen vermitteln.

Ebene B)

„challange by choice“: Erlebnispädagogische Kompetenztrainings und KurzInterventionen

Die Teilnehmer*innen in Ebene B) sollen aus Schulen oder Jugendeinrichtungen kommen, bzw. aus individuellen Bedarfslagen der jungen Menschen aus dem eigenen Projekt „Basecamp. Außerschulische Kinder- und Jugendbildung in der Natur“. Es ist geplant, bis zu vier Einrichtungen für eine langfristige Projektbegleitung von einem Jahr zu gewinnen. Mit diesen Einrichtungen werden Kooperationsverträge geschlossen. Darin werden die speziellen Problemlagen und Herausforderungen der Jugendlichen in den Einrichtungen erfasst und daraus prozessbezogene Themenmodule abgeleitet.

Ebene B) "challange by choice“ wird prozessorientiert an und mit jungen Menschen im Lern- und Erlebnisraum Natur arbeiten. Bei jeder Anfrage wird es vor Beginn einen Kennenlern- und Analysetag mit den entsprechenden Gruppen geben, an dem die Vorannahmen überprüft und die Themen der Gruppe herausgearbeitet werden sollen. Diese Themen setzen sich zusammen aus lebensphasen-bezogenen Entwicklungsschritten, individueller biografiebezogener Reflexion und Persönlichkeitsentwicklung. Diese Kennenlerntage werden wir mit den Gruppen bei (fast) jedem Wetter in der Natur mit erlebnispädagogischen Kooperations- und Interaktionsübungen verbringen. Je nach Stand der Gruppe und den entsprechenden im Prozess erfahrenen Themen wird sich die inhaltliche Ausgestaltung der einzelnen Projekte unterscheiden. Die aufgeführten Arbeitskonzepte für das erlebnispädagogische Kompetenztraining und die Kurzintervention müssen demnach nach dem Kennenlern- und Analysetag auf ihre Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit überprüft werden.

Ebene C)

Begleitende Elternarbeit

Die pubertäre und adoleszente Phase im Leben der Kinder und Jugendlichen ist geprägt von Aufbruch- und Umbruchstimmungen, darf aber nicht zum Zusammenbruch von Familienstrukturen führen. Im Vordergrund dieser Ebene steht die Informationsvermittlung und Erarbeitung notwendiger Aufgaben und Entwicklungsschritte für Kinder und Eltern. Durch eigene Erfahrungen und das entsprechende Hintergrundwissen können sich die Eltern in einem sicheren Rahmen damit auseinandersetzen, wie soziale Rollen innerhalb von Familie, Schule, Freunden etc. neu bestimmt werden können und wie Lösungs- und Loslösungsschritte möglich sind. Gemeinsam mit den Eltern werden praktische Hilfen und adäquate Kommunikations- und Konfliktlösungsstrategien erarbeitet.

5. KONTAKT:

Walden e.V.

Projekt „kommunity“

Georg Landgraf Str.1

09112 Chemnitz

Ansprechpartner*innen:

Karina Falke: karina.falke@abenteuer-walden.de

Hendrik Hadlich: hendrik.hadlich@abenteuer-walden.de